Mercedes G400D - Alternative zum bulligen V8-Benziner

8. Jul. 2019 I Autor: Hansy Schekahn I 1271 mal gelesen
Mercedes G400D - Alternative zum bulligen V8-Benziner
Der neue G400d ist eigentlich die bessere Alternative zum G500, wenn Sound nicht die erste Rolle spielt

Von Mathias Knödler: Auch wenn sie längst zum Lifestyle-Accessoire avanciert ist: Die G-Klasse von Mercedes Benz ist in ihrem Ansatz seit immerhin 1979 der Geländewagen schlechthin. Das gilt auch für die 2018 vorgestellte, aktuelle Modellgeneration, die übrigens weiterhin auf den Entwicklungscode W463 hört - auch wenn es eigentlich ein fast komplett neues Auto ist. Nachdem die Baureihe ursprünglich mit V8-Ottomotoren lanciert worden war, reichen die Stuttgarter mit dem G400d nun bereits die zweite Diesel-Variante nach.



Und, sind wir ehrlich, ein Selbstzünder passt viel besser zum G-Modell als die V8-Motoren - denn die "rollende Schrankwand" ist eigentlich nicht dazu konstruiert, die linke Spur der Autobahn zu dominieren. Obwohl sie das inzwischen kann: Die Lenkung ist viel präziser geworden, die Spurhaltefähigkeit um Welten besser als zuvor. Und auch der Langstreckenkomfort ist hoch.

Neue Modellreihe heisst immer noch W463 - ist aber ein neues Auto

Doch während es bei der Strassentauglichkeit nur darum gehen konnte mit modernen SUV gleichzuziehen, hat das neue G-Modell in Sachen Geländegängigkeit nochmal nachgelegt. Mit seiner extremen Geländeuntersetzung, zuschaltbaren Differentialsperren vorne und hinten und einer per Tastendruck komplett sperrenden Lamellenkupplung im Mitteldifferential kommt der neue G in schwerem Gelände noch weiter als das im militärischen Einsatz bestens bewährte Vorgängermodell. Wussten Sie z.B., das der G innen nur so hoch ist damit man auch mit einem aufgesetzten Helm bequem Platz hat?



Gut, wenn dann unter der Haube ein zuverlässiger und starker Dieselmotor steckt. Beim G400d handelt es sich dabei um eine Variante des neuen Sechszylinder-Reihenmotors mit 2,9 Litern Hubraum. Das Aggregat ist bereits aus dem G350d bekannt, für den G400d steigt seine Leistung jedoch von 286 PS auf 330 PS, und das maximale Drehmoment klettert von 600 auf 700 Newtonmeter. Das aus Bad Cannstatt gelieferte Aggregat passt perfekt zum neuen G-Modell.

Mit neuem Diesel-Herz fast genauso stark wie G500 mit V8-Benziner

Von innen ist der Diesel kaum zu hören, die Laufruhe überzeugt, nur von aussen ist noch etwas Dieselnageln mitzubekommen. Der Motor hängt im G400d gut am Gas und ist spürbar schneller als im G350d: Trotz knapp 2,5 Tonnen Leergewicht dauert der Spurt von 0 auf 100 km/h nur 6,4 Sekunden, der Vortrieb endet erst bei 210 km/h. Damit wird der Standardspurt eine volle Sekunde schneller als im G350d absolviert, während - zum Vergleich - der 422 PS starke G500 mit seinem V8-Ottomotor nur noch eine weitere halbe Sekunde herausholen kann. In der Spitze liegen G400d und G500 sogar gleichauf: Die Daimler-Strategen haben die Abregelschwelle bei beiden Modellen auf 210 km/h gelegt, während dem G350d nur 199 km/h zugestanden werden.

Verbrauchswerte überraschen positiv und halten Euro 6d-Temp ein

Den trotz hohen Gewichts und mieser Aerodynamik guten Fahrleistungen steht ein sozialverträgliches Trinkgebaren gegenüber: Im Zyklus werden 9,6 Liter angegeben, wir kamen bei kombinierter Autobahn- und Gebirgsfahrt und nicht eben zurückhaltendem Fahrstil auf 11,4 Liter. Das ist viel besser als der Achtzylinder-Benziner. Und die Emissionsvorschriften werden locker eingehalten, das entsprechende Stammtisch-Gemecker sollte damit hinfällig sein.

Wer angesichts dieser zupackenden Fähigkeiten ein wie im Ur-G robust-rustikales Ambiente erwartet, sieht sich getäuscht. Schon von aussen überrascht der G400d mit LED-beringten Scheinwerfern, mattschwarzen Dekorelementen und filigranen 20-Zoll-Felgen aus dem Hause AMG. Aus den Aussenspiegeln fällt eine Lichtprojektion auf den mehr oder weniger befestigten Boden.



Und auch das Interieur des G400d präsentiert sich als gute Stube: Hier dominieren teure Leder-Fauteuils, die Kontrastnähte sind, sofern schwarzes Leder gewählt wurde, in Gold ausgeführt, das Armaturenbrett ist mit edlen Hölzern verziert, die Haltegriffe sind beledert. Für gehobene Audio-Genüsse sorgt die Stereoanlage aus dem Hause Burmester. Hier wurde geklotzt statt gekleckert - doch: Das Design insbesondere vor dem Fahrer wirkt aufgesetzt und irgendwie unpassend, das alte Design hat besser gefallen. Aber das ist letztlich Geschmackssache.

Edel Gold abgesetzte Sitze in "Stronger then Time" Sonder-Edition

Die noble Ausstattung kommt nicht von Irgendwo: Der Spitzen-Diesel G400d ist ein Sondermodell, das laut Hersteller "die G-Klasse als Kult-Geländewagen auf besonders emotionale Weise zelebriert." Es hört auf die ausladende Bezeichnung "Stronger than time" (von Daimler komplett in Grossbuchstaben geschrieben) und ist für den G350d gar nicht erhältlich. Beim G500 ist diese Variante bestellbar, kostet hier aber happige 36.533 Euro Aufschlag. Das wäre dann mal eben der Preis eines Zweitwagen, aber wer einen modernen G fährt zeigt eben auch, das Geld dann nicht unbedingt eine Rolle spielt.



Und so erklärt sich auch der enorme Preisaufschlag für den G400d: Mitsamt "Stronger-than-time-Paket" kostet er stolze 137.746 Euro, während für einen G350d lediglich 97.116 Euro fällig sind. Ausstattungsbereinigt, wobei auch noch die Metallic-Lackierung zu berücksichtigen ist, schrumpft die theoretische Differenz zwischen G350d und G400d auf weniger als 3.000 Euro.

Technische Daten Mercedes-Benz G400d

Länge x Breite x Höhe: 487 x 198 x 197 cm
Radstand: 289 cm
Motor: R6-Diesel, 2925 ccm, Turbo, Direkteinspritzung
Leistung: 330 PS bei 3400-4600 U/min Max
Drehmoment: 700 Nm bei 1200-3200 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,4 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 9,6 Liter
Effizienzklasse: 253 g/km (Euro 6d-Temp)
Wendekreis: 13,6 m
Leergewicht/Zuladung: 2.472 kg / 678 kg
Kofferraumvolumen: 667–1.941 Liter
Max. Anhängelast: 3.500 kg
Bereifung: 275/50 R 20
Basispreis: 137.746 Euro

hs/ampnet/Mathias Knödler | Fotos: Daimler





 

 

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